Die Skulpturen der Franziska Faust

Die Facetten der Franziska Anna Faust

Man muss schon verdammt neugierig sein und eine Portion Entdeckergeist mitbringen, um in die alte, verfallene Toreinfahrt in Leipzig Connewitz hineinzugehen, um zu schauen, was sich da hinten drin verbirgt.

 

Zuerst sieht es aus wie auf einem ungeordneten Schrottplatz. Ein kleiner Garten im Hinterhof des Hauses. Man könnte denken, dass hier niemand mehr wohnt. Danach Gestrüpp und ein Stück weiter öffnet sich alles zu einer Art besiedeltem Raum. Ich werde begrüßt von einer riesigen Skulptur eines Stieres. Kein Schrottplatz mehr, aber eine durchaus mehr oder weniger sortierte Ansammlung von verschiedensten Eisenteilen aller Art, Knochen, Federn, Werkzeugen und großen und kleinen Skulpturen. Hinzu kommt ein teils mehr oder weniger gestaltetes aber dennoch creatives Chaos aus Schrottplatz, Skulpturen und Grünpflanzen.


Am Ende des Areals in der Größe eines ganz normalen Schrebergartens – eine schon recht zugewachsene, verwunschene Holzhütte. Die Tür steht offen. Eine junge Frau erscheint – Franziska - in einem schwarzen Overall.

Wir kommen ins Gespräch.

Das was sie sagt macht mich neugierig und ich stelle mich als Fotograf vor. Denn während unserer Unterhaltung entstand bei mir spontan das Bedürfnis und die Idee, Franziska mit und bei ihrer Arbeit und als Künstlerin zu portraitieren.

Sie fand die Idee gut und wir blieben miteinander in Kontakt.


„...schön, ich freu mich über deine- bekanntschaft- es gibt menschen, die bleiben auf der strasse vor dem offenen hoftor stehen- und es gibt menschen, die schauen einfach mal nach, was es dort hinten zu entdecken gibt...“ (Franziska Anna Faust)


Im April 2017 war es dann soweit.


Wer ist Franziska?


- Eigentlich Franziska Anna Faust
- Studium an der Universität Leipzig - Kulturwissenschaften, Politikwissenschaften, Philosophie, Journalistik
- 2013 Diplom Medienkunst/freie Kunst in der Fachklasse für Installation und Raum bei Prof.Joachim Blank

Das alles machte mich sehr neugierig auf diese doch etwas ungewöhnliche junge Frau. Aber warum eigentlich ungewöhnlich? Doch nur weil Franziska offensichtlich anders lebt und arbeitet als die meisten Menschen in ihrer Umgebung. Zusammengefasst und auf einen Nenner gebracht: Künstlerin, Designerin, Metallbildhauerin, Metallgestalterin, eben ein creativer Geist. Na und? Als wäre das nicht schon genug, nein, Franziska macht auch noch Musik. Aber dazu später.


Wir hatten einen Termin vereinbart am Nachmittag gegen 14 Uhr.


Ihr Refugium besteht aus drei Bereichen. Der erste Bereich ist sozusagen das was andere ihren Garten nennen. Der zweite und dritte Bereich sind ihre Werkstatt und direkt daneben eine Art privater Aufenthaltsraum, „gute Stube“, Büro, Probenraum für ihre Musik, schwer zu beschreiben, alles in einem, aber eben keine Werkstatt.


In Franziskas „Garten“ gibt es viel Metall, Knochen, Federn, Skulpturen, bereits fertig und noch in Arbeit, aber auch kleine Oasen mit viel Grün, angelegt in kleinen Buchten, sogar mit so einer Art Brunnen. Der Eingang zur Werkstatt und der nebenliegenden „guten Stube“ war schon ein bisschen zugewachsen und lässt erahnen wie es im Sommer aussieht. Ein kleines Paradies mitten in Connewitz.

 

 

 

 

Im „Garten“ stand noch der Transporter, vollgepackt mit Ausstellungsgegenständen ihrer kürzlich durchgeführten Vernissage:


Bestiarium - Vernissage mit Konzert "trOpic Of misAnth"

(Bild von Franziska Anna Faust)

Nach einiger Zeit kam ein PKW mit einem älteren Ehepaar auf den Hof gefahren. Beide so um die 80 stellten sich als gute Freunde heraus. Das war aber nicht von Anfang an so. Als Franziska vor einigen Jahren ihre Werkstatt aufbaute begegneten sie sich zum ersten mal. Allerdings war es dem älteren Herrn sehr suspekt, dass sich in diesem abgelegenen Hinterhof eine junge Frau irgendwie zu schaffen machte. Als Franziska wahrheitsgemäß sagte, dass sie sich hier eine Werkstatt einrichten wollte glaubte der alte Herr sich vollständig veralbert. Sie ist doch eine Frau. Eine Frau und eine Werkstatt, die mit Eisen und anderen schweren Dingen hantiert, das kann doch gar nicht sein. Und erst nachdem er Wochen später feststellte, dass es doch wirklich eine Werkstatt ist und er auch die ersten Ergebnisse ihrer künstlerischen Arbeit sah, beruhigte sich sein Misstrauen. Heute sind sie dicke Freunde und wie heute zu sehen besuchen sie Franziska gelegentlich, um einfach mal guten Tag zu sagen.


Ich sah mich dann auf dem Hof und im Garten ein bisschen um und war beeindruckt welche Kunstwerke man so alles aus Eisen, alten Werkzeugen, Schrauben, Muttern, Blechen, Knochen und Federn herstellen kann.

Nachdem wir weiterhin über dies und jenes geschwätzt haben wollte ich endlich mal sehen was sich hinter Franziskas Werkstatttor verbirgt. Das Werkstatttor ging auf und mir stand eine große frauliche Skulptur gegenüber die noch angekettet an der Decke von einem Kran gehalten wurde.

Da Franziska an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitet ist es nicht verwunderlich, dass auch ein Pferd, oder zumindest der Kopf hierfür gerade bearbeitet wurde.

Ich musste mich ein wenig im Hintergrund halten denn plötzlich flogen mir die Funken um die Ohren als Franziska die Ohren des Pferdekopfes, nicht reinigte, aber bearbeitete.

Ich fragte natürlich wie sie auf die Ideen für solche Skulpturen kommt.
Eigentlich ganz einfach, sagte sie mir. Irgendwo hatte sie mal eine alte verrostete Schaufel ohne Stiel gefunden. Darin erkannte sie den Rücken, Wirbelsäule und Taille einer Frau. Und schon war das erste Teil der Skulptur geboren. Kettenglieder für die Hände und viele andere Dinge gesellten sich im Laufe der Zeit genauso dazu, so dass sich alles erst im Laufe der Zeit entwickelt. Andererseits entstehen auch Zeichnungen die dann im Laufe der Zeit variiert und angepasst werden. Dort wo Knochen oder Federn ein gestalterisches Element ergeben finden auch diese eine Verwendung.

Inzwischen war es schon weit später geworden als ich ursprünglich wollte. Noch hatte ich noch nicht mal Bilder von ihrer „guten Stube“ gemacht.

Dort hat Franziska unter anderem ihre Musikinstrumente stehen. Wir gingen also von der Werkstatt nach nebenan und Franziska setzte sich erst mal an`s Schlagzeug um sich zu entspannen. Zwischendurch erzählte sie mir, dass sie auch eine Band hat mit der sie gelegentlich auf Tour geht. Ok, die Band besteht aus genau zwei Bandmitgliedern, nämlich sie selbst und eine Freundin. Die beiden spielen in der Regel Jam-Sessions, also vollständig improvisiert Musik. Auf Jam-Sessions spielen Jazzmusiker entweder Stücke, deren harmonische Schemata und Melodien allen Mitmusikern bekannt sind (sogenannte Jazzstandards) oder sie improvisieren frei. Gelegentlich singt Franziska dazu. Ob auch improvisierte Texte oder nicht, das muss ich später nochmal nachfragen.

Irgendwann wurde der Vorhang zur Seite gezogen und ein neuer Besucher betrat die Bühne. Jan - Franziskas Bruder im Geiste. Und im wahrsten Sinne des Wortes betrat er die Bühne. Er kam gerade von Arbeit, setzte sich an`s Schlagzeug und Franziska nahm die Bassgitarre zur Hand.
Musik und die Fähigkeiten die Instrumente zu spiele hat sich Franziska autodidaktisch beigebracht.
Es hätte mich nach dem
heutigen Tag nicht gewundert wenn plötzlich ihre Freundin, also der zweite Teil der Band auftaucht und es erst mal eine längere Jam-Session geben würde. Dennoch wurde aus der eigentlich kurzen after work session mit Jan  eine längere Session die ich gleich nutzte, um von beiden noch ein paar Bilder zu machen.

Inzwischen war es schon 19:30 geworden. Ich war gerade dabei mein Equipment zusammen zu sammeln, nicht, daß es noch in irgendeiner Skulptur verbaut wird, als draußen vor der Tür laute Gespräche zu hören waren. Und, wie konnte es anders sein, Bekannte von Franziska kamen mit einem großen Einkaufswagen aus der Kaufhalle und hatten eine Menge langer, sehr flexibler Holzästchen in und um den Einkaufswagen geschlungen. Jemand sagte etwas von Lianen. Lianen gibt’s doch aber nur in den Tropen und nicht im nahen Connewitzer Holz. Wie ich aber aus Wikipedia erfahren habe gibt es auch in Mitteleuropa Lianen. Na, ja. Und sofort hatte Franziska wieder eine Idee was sie daraus bauen könnte.


Ich hatte nun schon meine ganze Fotoausrüstung verstaut, so dass ich leider hiervon keine Bilder mehr machen konnte.


Inzwischen war es kurz vor 20 Uhr. Geplant waren ca. 2-2,5 Stunden. Nach rund 5,5 Stunden waren wir mit allem durch, insbesondere ich.


Für mich war es ein fantastischer Tag, jemanden wie Franziska einen halben Tag lang begleiten zu dürfen und zu erleben mit welcher Power mit wie vielen Ideen Franziska ihre Vorstellungen von Kunst verwirklicht. Es war ein toller spannender Tag, mit vielen Eindrücken, Gesprächen und Erkenntnissen. Wir kamen auf ganz viele Themen zu sprechen, die alle hier zu erwähnen zu lange dauern würde. So haben wir aber vereinbart uns im Sommer / Spätsommer nochmal zu treffen. Dann mit einem anderen Thema: Hüte und Kostüme. Und wie kann es anders sein, Franziska hat viele Hüte und Kostüme gesammelt. Und das ganze wollen wir dann gemeinsam in Szene setzen. Wo und wie und mit welchem Ergebnis – dazu später mehr. Ich bin gespannt.


Ich freue mich jetzt schon darauf und sage erst mal vielen Dank an Franziska Anna Faust für das heutige Shooting.

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Kommentare: 3
  • #1

    MichaF (Sonntag, 07 Mai 2017 11:14)

    Hi Peter,
    ich möchte Dir zu Deinem ersten Blog gratulieren. Interessant geschrieben und interessant gestaltet hinterließ er bei mir den Wunsch mehr über Franziska zu erfahren, ja vielleicht sogar das alles einmal selbst zu sehen.
    Und damit würde ich sagen: Ziel des Blogs voll und ganz erreicht!
    Freue mich schon auf den Nächsten �.
    Gruß Micha.

  • #2

    Peter Petzka (Montag, 08 Mai 2017 08:40)

    Hallo Micha,
    vielen Dank für Dein Lob. Das hat mich sehr gefreut.
    LG
    Peter

  • #3

    Peter Wankerl (Mittwoch, 23 Mai 2018 15:00)

    gefällt mir sehr. Super zu lesen, tolle Frau, tolle Fotos