Kratzbürstig - Nicht unartig, aber gegen den Strich

Kratzbürstig - Nicht unartig, aber gegen den Strich

Wie versprochen gibt es eine Fortsetzung von ...."Die Skulpturen der Franziska-Anna Faust"

 

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Vorab aber noch ein paar Gedanken von mir in Bezug auf die in Facebook erschienene Petition gegen die Durchsetzung der Sperrzeit in Leipzig.

Leipzig rühmt sich oft als weltoffene Stadt. Doch manchmal habe ich eher den Eindruck, dass es im kulturellen Bereich nur um die sogenannte etablierte "Hochkultur" wie Oper, Gewandhaus, Schauspielhaus und Kabaretts geht und nicht um die vielen Kulturschaffenden die zumeist ohne Zuschuss von der Stadt, dafür aber mit ganz viel Engagement und Herzblut ihren kulturellen Beitrag dazu leisten, dass Leipzig eben diesen guten Ruf in der deutschen Kulturscene hat.

Aber dazu müssten die Kultur-Oberen der Stadt auch mal über den Leipziger Tellerrand hinausschauen. Ich will nicht alles schwarz weiss sehen. Aber würde es den Leipziger Kulturverantwortlichen nicht viel besser zu Gesicht stehen wenn sie aktiv auf die, in diesen Fall, Clubscene zugeht und gemeinsam mit den dort Aktiven einen Kompromiss sucht. Und ich bin mir sicher, wenn man erst mal - unvoreingenommen - miteinander redet  findet man auch einen Kompromiss, wenn beide Seiten dazu bereit sind.

Vielleicht bin ich naiv - aber die Hoffnung habe ich nie aufgegeben.

Wer weitere Informtionen dazu braucht, schaut auf FB oder auf diesen Link:

https://www.openpetition.de/petition/online/aufhebung-der-sperrstunde-in-leipzig

 


Zurück zu Franziska.

 

Franziska überrascht mich immer wieder. Sie schrieb mich an mit:

 

"hallo- und einen lieben gruß- mache im nächsten monat ne richtig große ausstellung in der alten fabrik bei uns- vielleicht interessiert es dich und deine frau ja?"

 

Und schon war ich am Planen.

Natürlich hatte ich keine Ahnung was auf mich zu kam. Zum Beispiel wo ist die "Alte Fabrik"? Was stellt sie aus? Was ist noch geplant? Wer sind die Gäste? Sind Gäste eingeladen oder, und, und, und ....

Also schlug ich am 27. Juli am Nachmittag bei Frances in der "Alten Fabrik" auf, um mit ihr den Ablauf (meine konservative Vorstellung einer solchen Veranstaltung) zu besprechen. 

Ich fand Frances und Sam, die zweite Hälfte ihrer Band, ziemlich geschafft vor. Beide hatten gerade in den letzten Tagen mehr oder weniger rund um die Uhr gearbeitet, um die Ausstellung vorzubereiten.

Mir war klar, dass ich dort im Moment nur störte und war nach kurzer Zeit auch wieder verschwunden.

 

Diese "Alte Fabrik" ist übrigens das Gebäude welches an ihr Werkstattgrundstück angrenzt. 

Um die Jahrhundertwende wurde auf dem Gelände der Thalysia Fabrik an der Kochstraße die Produktion von Leib- und Brusthaltern sowie Reformkleidern aufgenommen. Später zu DDR Zeiten wurden Schuhe produziert. 

Danach war das Gebäude über Jahre nur noch dem Verfall Preis gegeben.

Mit anderen Worten,  Frances hatte seit Pfingsten dort schon gewerkelt. Alle notwendigen handwerklichen Arbeiten, hauptsächlich allein, aber auch  zusammen mit Freunden durchgeführt. Fenster und Dach sind dicht, Strom und Wasser sind vorhanden.

Jetzt konnte es an die Aufbereitung des Innenlebens mit ihren Arbeiten und Skulpturen gehen. 

Die Kunstausstellung nahm Gestalt an.

Als ich am Nachmittag des nächsten Tages den Ort Geschehens betrat - nun ja, wie soll ich sagen - alles sah gut chaotisch aus. 

Ich hatte Eis und ein bisschen Kuchen mit dabei, um die Mädels ein bisschen aufzubauen.  Frances und Sam waren so richtig geschafft, down und hundemüde.  Beide hatten die Nacht zuvor  kein Auge zugetan und durchgearbeitet. In zwei Stunden sollten die ersten Gäste kommen.

Über Facebook wurde auf die Kunstausstellung aufmerksam gemacht.

Und dann, wie von Zauberhand, ich konnte es kaum glauben, verzauberten Frances und Sam die Baustelle in eine super Eventlocation. Wow. Ich war schon ein bisschen sprachlos und voller Hochachtung was die Mädels dort geschaffen haben. 

Inzwischen war es gegen 20 Uhr, die Gäste standen unten im Hof und warteten bis es losgehen sollte. Ein Bekannter, der den Event musikalisch untermalen sollte, war seit einiger Zeit mit dem Aufbau seines Equipments beschäftigt, machte Soundcheck - oder ging es schon los - es war fließend.

Frances und Sam legten letzte Hand an, die Lichter wurden angeschaltet. Und schon waren wir mitten drin.

Der Wegweiser war eindeutig. Die Gäste füllten langsam den Raum. Letzte Absprachen aller Beteiligten. Die durchweg jungen Gäste waren durchaus interessiert an Frances`s Arbeiten.

Als ich fragte, ob sie keine Bedenken hat, dass man ihre Arbeiten beschädigen und nicht mit dem entsprechenden Achtung behandeln könnte, lächelte sie nur und meinte, "keine Sorge die gehen schon sorgfälltig damit um". Stimmt, genau so war es auch. Niemand machte auch nur irgendwas kaputt. Im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, dass die Gäste  die Arbeiten sehr respektierten.

Manche saßen auf den vielen Sofas rum, diskutierten, tanzten sogar  oder spielten am Kicker.

Eine ausgelassene Stimmung zur Ausstellungseröffnung.

Frances`s Arbeiten waren in dem riesigen Raum zusammen mit den angeordneten Sofas als Raumteiler platziert. Außerdem war der Raum in 4 Farbbereiche unterteilt. Es gab also einen orangenen, einen schwarz-weißen, einen beigen und einen eher schwarzen Bereich. Die Bar gehörte dann eher zum orangenen Bereich. Der s/w Bereich war durch die s/w Bodengestaltung gekennzeichnet.

Man konnte sich den mystisch bizarren Installationen einfach nicht entziehen. Überall wurde man von mindestens einem Auge beobachtet.

Kein geeigneter Ort für sensible Seelen.

Dennoch gab es immer etwas Neues zu entdecken. Voodoo Puppen, chirurgisch entfernte Körperteile aus Plüschtieren oder in Einweggläsern drapierte Installationen - nicht Fisch, nicht Fleisch - nicht Vogel, offensichtlich nichts von dieser Welt.




In den beleuchteten Vitrinen fühlten sich filigrane Drahtwesen zu Hause.

Über den Köpfen  der Gäste schwebten gefiederte, vogelartige Wesen aus einer unbekannten Sagenwelt die offensichtlich eine enge Liason mit den mystisch  erleuchteten Köpfen gehörnter Fabelwesen darunter  hatten.

Es sieht düster aus, ist es aber nicht. Eher schräg, verrückt, nicht so ernst gemeint, nicht gerade Mainstream, halt eben

 

"Gegen den Strich"

 

Für mich stellt sich die Frage nach der Idee dahinter, was will Frances mit ihren  Geschöpfen aussagen, will sie überhaupt etwas sagen oder einfach nur ihrer Kreativität freien Lauf lassen und das was ihr in dem Moment einfällt umsetzen. Möglicherweise ist sie selbst überrascht von dem was am Ende entsteht. Ich weiß es noch nicht.

 

An diesem Abend war nicht der Zeitpunkt darüber zu reden. Die Ausstellung war für die Veranstaltung gerade so fertig geworden, dass ich auf eine tiefgründige Fragerei verzichtet habe.  Deshalb nur meine Gratulation zur gelungenen Kustausstellung.

 

Heut ist Party. Und die hatten sich Frances und Sam hart erarbeitet und wohl verdient.

 

Ich bin mir sicher, es wird ein weiteres Projekt mit Frances geben. Dann werde ich alle meine Fragen loswerden. Und ich  bin mir sicher, es werden neue, zusätzliche Fragen entstehen.

Aber ich freue mich schon jetzt auf das nächste Mal.

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