Badenfahrt 2017 - V E R S U S


Jeder aus dem Umfeld von Baden, des Kantons Aargau, ja ich möchte fast sagen, jeder in der Schweiz kennt die Badenfahrt.

 

Für alle anderen ein paar Worte der Erklärung zuvor.

 

Die Badenfahrt ist eines der größten Schweizer Volksfeste und findet nur aller 10 Jahre in Baden statt. Zwischendurch gibt es aller 5 Jahre noch eine „kleine“ Badenfahrt.

 

In diesem Jahr fand die „große“ Badenfahrt vom 18. bis zum 27. August 2017 unter dem Motto "Versus" - also "Gegensätze" statt. Laut offiziellen Angabgen waren über 1,2 Millionen Besucher während den 10 Tagen in Baden.

 

Das Festgelände erstreckte sich über die gesamte Altstadt. Es waren etwa 100 «Festbeizen» (Eine Beiz ist einfach eine Wirtschaft, oder Kneipe) Restaurants, Bars und andere Attraktionen, die überwiegend von Vereinen aus der Region organisiert und betrieben wurden.

 


Dabei handelte es sich nicht um gewöhnliche Bierzelte wie zum Beispiel auf dem Münchener Oktoberfest, sondern um individuelle Kreationen, in die viel Fantasie aber oft auch das Können von Architekten, Bauingenieuren und Handwerkern unter den Vereinsmitgliedern investiert wurde.

 


 

 

 

 

Aber, beginnen wir mit dem Anfang. So ein Fest kostet Geld. Also ist es durchaus fair, wenn für den Zugang zu vielen Festbeizen und Konzerten ein Eintritt verlangt wird. Fast überall in der Stadt konnte man die Tickets kaufen. Besser gesagt, Bänder. Bänder für einen Tag, Bänder für den gesamten Zeitraum.

 

Es gibt zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, wie z.B. Theateraufführungen oder Openair-Konzerte mit bekannten Bands und Musikern wie Beatrice Egli, Stefanie Heinzmann und viele andere schweizer Künstler der Rock, Pop, Blues und Jazz Szene.

 

Der Begriff «Badenfahrt» stammt übrigens aus dem Mittelalter. Das Städtchen Baden war wegen seiner heissen Thermalquellen und der damit verbundenen Zerstreuungen ein beliebtes Reiseziel für weltliche und geistliche Würdenträger.

 

In besseren Kreisen war es später durchaus üblich nach Baden in eine Kur zu fahren und sich dabei auf dem Heiratsmarkt umzusehen, bzw. zu zeigen.

 

Das erste Volksfest mit der Bezeichnung Badenfahrt fand 1923 statt.

 

Die erste «grosse» Badenfahrt wurde 1937 durchgeführt.

 



Schon lange zuvor wurde geschraubt, gebaut und gehämmert. Die gesamte Stadt war im Aussnahmezustand.

Man kann sagen, es entstand schon Wochen zuvor, eine Stadt in der Stadt. An Hand des Planes des Festgeländes konnte man ersehen, dass wirklich die gesamte Stadt nicht nur mit einbezogen, sondern auch regelrecht umgebaut wurde.


Also begab ich mich in die Stadt, um den ersten Abend zu genießen.

Da ich bis dahin noch keine Badenfahrt erlebt hatte war für mich alles neu.

Ich ging also nicht in die Stadt - nein, ich muss sagen, ich stürzte mich ins Getümmel. Es war sehr beeindruckend wie der Nah- und Fernverkehr organisiert war. Es gab jeden Tag bis nach Veranstaltungsende, also mindestens bis nach 24 Uhr einen Bustransfer auf allen Linien. Die Busse waren richtig voll. Die Menschen strömten in die Stadt und ich zum ersten Konzert.

Von dort ließ ich mich einfach treiben. Mal sehen was es so alles zu entdecken gibt.

Die erste Bühne auf dem Bahnhofplatz mit Helvetischem Blues auf der Tipitinas Bühne sorgte schon mal für eine gute Einstimmung auf den Abend.

Auf dem Weg zum Kurpark kam ich an einen Ort den wohl jeder am Abend irgendwann mal aufsuchen musste. Selbst hierbei stand das Motto der Badenfahrt pate.

Der Römerquartierverein errichtete aus Holzkisten und IKEA Elementen die „UfLäseBox“ mit Essen und Karaoke im unteren, sowie Lesungen im oberen Bereich.

Ein riesen Freilichtspektakel fand im Kurpark, direkt gegenüber dem Casino, statt.

Die Geschichte beschreibt wie ein überambitionierter Regisseur in einer grandiosen Inszenierung 2000 Jahre Geschichte von Baden Revue passieren lassen will. Das Ganze endet in einem wilden Reigen von geschichtsträchtigen Schnipseln, die im Schleudergang durchs Universum wirbeln.

Ein Stück voller Action und Humor, mit wenigen Worten aber mit bildgewaltigen Welten, mit einem Weltklasse Clown und mitreissender Live-Musik und mit rund 80 DarstellerInnen aus der Region Baden.

Am Flussufer der Limmat waren Bühnen und Festbeizen zu erleben. Musik gab es immer. Neben der Bühne standen Festbeizen wie das „LeKartoon“ – eine Beiz mit französische Flair, gebaut aus lauter  Kartonelementen.

 

Mehrere Vereine betrieben mit Asylsuchenden oder anderen in Baden beheimateten Ausländern verschiedene Beizen, wie das Kafi Royal, ein Teehaus, einen Tibetanischen Stand oder andere Spezialitätenstände. Das sollte man sich auch in Deutschland mal anschauen wie Integration gehen kann. Immerhin leben hier in der Schweiz rund 25% Ausländer. Und in Deutschland …? Aber das ist ein anderes Thema.

Auf der Hochbrücke befand sich der längste Bau des Festes. Mit 111 m Länge hat diese Beiz (Kneipe) eine beachtliche Größe. 

Während des Festes war eine Fahrspur inkl. Trottoir (Fußweg) über die volle Länge der Brücke für den Verkehr gesperrt.

Zwei Festwirtschaften waren in den Bau integriert und garantierten Kulinarik bei spektakulärer Aussicht zum «Innenhof» und über beide Seiten der Brücke hinaus – mit etwas baulich generiertem «Höhenrausch».

Und weiter ging es über die Halde an der Hochbrücke entlang auf dem Weg wieder in das Stadtzentrum.

Alle Festbeizen wurden durch kleine oder große Vereine betrieben und entweder privat finanziert, durch Spenden, oder bei den Großen entsprechend gesponsert.

 

Die meisten Vereinsmitglieder arbeiteten während der Badenfahrt freiwillig und ohne Entlohnung.

 

Im Stadtzentrum angekommen kam ich dann auch gleich in die Hölle. Die ehemalige Tunnelgarage, sowieso durch den Umbau des Schulhausplatzes geschlossen, wurde für die "Hölle" umgenutzt. Mich empfing auch gleich eine wirklich höllische Musik, aber gut.

Inzwischen waren einige Stunden vergangen, die Zeit verfliegt wenn es Interessantes und Ungewöhnliches zu entdecken gibt. Also beschloß ich so langsam den Heimweg anzutreten und ganz bestimmt am nächsten oder / und übernächsten Tag nochmal wieder zu kommen.


Neuer Tag, früh morgens. Ich wollte einfach mal schauen wie es aussieht nach einer Nacht auf dem Festgelände.

Ja, schon etwas nüchtern. Und man sieht auch, dass eine Menge Müll angefallen ist und die Stadtreinigung gut zu tun hatte. Denn in den meisten Straßen und an den meisten Beizen war schon alles wieder aufgeräumt und alles auf den nächsten Aben vorbereitet. Nur hier und da konnte man noch die Reste der Nacht erkennen.

Alles schien wieder seinen gewohnten Gang zu gehen. Die Sonne strahlte. Die Strassenreinigung machte ihre Arbeit. Die Badener gingen auf die Arbeit und in die Geschäfte. Diese öffnen in Kürze und die Stadt hat ihr normales Alltagsleben wieder - bis zum nächsten Abend.

 

Es gab ein paar Beizen die mich besonders faszinierten.

So z.B. die Beiz „usVers“. Eine Beiz, bestehend aus lauter Büchern. Die Wände, die Wandverkleidungen, selbst die Stühle waren aus Büchern zusammengestellt. Und überall Musik.

 

Eine andere Beiz "beschränkt". Nein, nicht was sich vielleicht zuerst aufdrängt. Sondern beschränkt im wahrsten Sinne des Wortes.

Das beschränkt hat nämlich keinen Gastraum im konventionellen Sinne. Die Gäste wurden in umgebauten Kleiderschränken bedient.

Jeder Schrank war ein Unikat. Und wer glaubt, ein Schrank wäre langweilig und immer gleich, irrt gewaltig. Denn er hat nicht mit der Kreativität der Macher und dem Einfallsreichtum ihrer Helfer gerechnet. Barbara Blanc: „Zu tollen Unikaten werden unsere Schränke, indem die einzelnen Teams sie individuell gestalten. Wir haben elf Teams, die jeweils einen Schrank bekommen, den sie dann in Eigenregie dekorieren. Darunter sind so tolle Ideen, wie ein Kühlschrank, ein Spiegelschrank oder ein Alprauschschrank.“

 

Insgesamt hatte das "beschränkt" 36 Sitzplätze - und ohne Reservierung keine Chance einen Platz zu bekommen.

Es gäbe noch so viel mehr von der Badenfahrt 2017 zu erzählen und in Bildern zu zeigen. Das wäre ein Buch füllendes Abenteuer. Vielleicht soll noch gesagt werden, dass es natürlich auch einen großen Bereich für Familien mit Kindern gab. Aber wie schon gesagt, es ist zu groß und vielfälltig als das man mit einem Blog alles erschlagen könnte.

Deshalb hier noch einig Bilder im Zusammenschnitt um die Stimmung ein klein wenig aufzuzeigen.

Ein gewisser Wahnsinn gehört dazu schrieb die Badener Rundschau.

 

 

Das konnte man genauso sagen. Ein raketenförmiger „UniversAll“ Turm stand mitten im Zentrum von Baden auf dem Schlossbergplatz. Hier oben in 34 m Höhe ist die höchste Bar mit der Bezeichnung „Mars“ platziert. Das Ganze wurde gehalten von 4 roten Turmkranen.

 

 

Also zog ich an diesem Abend nochmal durch Bars und Kneipen, vorbei an Bühnen und vielen Menschen, die zu genießen schienen. Überall ausgelassene Stimmung.

Am Ende der Badenfahrt wurde sogar noch dieses wundervolle Kugelbahnobjekt versteigert.

 

Ein letztes Highlight sollte noch folgen.

Natürlich ein abschließendes und überwältigendes Feuerwerk der Badenfahrt 2017.

 

Am Ende bleiben die Erinnerungen an ein Fest, dass vom Herzblut unzähliger Freiwilliger lebte, an Kreativität kaum zu übertreffen ist und Menschen miteinander verbunden hat. Rund 10.000 Helfer waren während der 10 Tage im Einsatz.

 

Dieses Fest wird noch lange nachklingen und in Erinnerung bleiben - also dann bis zum nächste Mal.

 

Gute Live-Musik ist das Tüpfelchen auf dem i für jede Festbeiz. Egal ob Punk Rock, Indie, Folk oder Reggae, Kinderkonzerte, Beatrice Egli oder Steffanie Heinzman. Es war wohl für jeden etwas dabei.

 


Eine letzte Bemerkung noch von meiner Seite. Ich habe einige Informationen aus den öffentlichen Medien entnommen, also nicht jeder Text kam aus meiner Feder.


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